Die Kunst der
Ein-teil-ung!
Und die Erde brachte Gras hervor, Kraut, das Samen hervorbringt nach seiner Art, und Bäume, die Frucht tragen, in der ihr Same ist nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: dritter Tag.
(1. Mose 1,12f. - CSV-Elberfelder)
Gott hätte die Erde sofort im Ganzen erschaffen können. Aber er wählte Zwischenschritte. Dies gab ihm die Möglichkeit zur Rückschau: "Und er sah, dass es gut war", bevor er weitermachte und zur schöpferischen Pause: "Es wurde Abend, und es wurde Morgen."
Da Gott außerhalb von Raum und Zeit ist und dazu allmächtig, hat er diese Methode nicht gebraucht. Aber er hat sie gewählt, um uns heute etwas klarzumachen und vielleicht auch den Engeln damals die Möglichkeit zu geben, über jeden Schöpfungsschritt nachdenken zu können.
Früher gab es in Unternehmen nur eine Endkontrolle. Aber besonders durch die Erfolge der japanischen Industrie ist man dazu übergegangen, auch Zwischenschritte zu kontrollieren. Wir Menschen sind begrenzt und können ausbrennen. Wir brauchen Zeiten von Pausen und Reflektion über das bisher Entstandene.
Vielleicht hast Du diese Woche viele Aufgaben vor Dir. Versuche diese in sinnvolle Zwischenschritte einzuteilen und baue auch Pausen ein, damit Deine Kreativität neu belebt wird.
Auch das geistliche Wachstum sollte reflektiert werden, genauso wie der Bau der Gemeinde Gottes. Wenn wir damit bis zur "Endkontrolle" nach dem Tod warten, können wir nichts mehr korrigieren.
(Un)entschieden
Und Saul saß am Ende von Gibea unter dem Grantbaum...
und das Volk das bei ihm war.
Und Jonathan stieg auf seinen Händen und Füßen hinauf,
und sein Waffenträger ihm nach.
(Foto: Marco Verch @ CCNull.de)
Saul
Saul saß unter einem Baum. Nicht um zu beten, oder sich zu sammeln, sondern aus Ratlosigkeit. Er genoss den Schatten und wollte erstmal abwarten. Äußerlich waren er und Jonathan die einzigen die auf den Kampf mit den Philistern vorbereitet waren. Immerhin. Kap.13,22 (CSV-Elberfelder) sagt, dass sie die einzigen mit Schwert waren. Aber innerlich war Saul nicht viel weiter als das Volk. Er saß am Ende von Gibea. Erstmal abwarten. Sein Motto: Wer nichts macht, macht keine Fehler. Als er sich dann innerlich vorbereiten wollte (Kap. 14,16ff.) war es bereits zu spät. Die Umstände trieben ihn, nicht er die Umstände. Das führte zu Folgefehlern.
Jedem Christen ist es sicher schon ähnlich ergangen. Ohne innere Zubereitung, geht man an eine Aufgabe. Man hat zwar ein Schwert dabei (ein Bild der Bibel), aber hat die innere Vorbereitung durch Gebet mit Gott vergessen oder vertrödelt. Bei der ersten Abweichung vom Plan bricht Hektik aus. Die Umstände drängen einen zu Entscheidungen und diese sind dann oft falsch.
Dies ist besonders verheerend, wenn es um eine Führungsaufgabe geht. Das Volk tut es Saul nach und sitzt ebenfalls passiv herum, und seine falschen Entscheidungen treffen dann auch andere und hätten ohne Gottes Gnade zum Tod von Jonathan geführt.
Es gibt Gemeinden die werden von Führern geführt, die gerne eine falsche Ruhe haben möchten. Aufgaben bei denen Reibung und Aktivität wichtig sind, werden aus Angst vor Fehlern nicht angepackt. Infolge dessen wird man von den Umständen und Entscheidungen anderer überrollt. Jetzt muss sehr schnell entschieden werden, da die Zeit drängt, um Unheil abzuwenden. Als Ergebnis trifft man schlechte Entscheidungen und der Schaden ist da, auch wenn Gottes Gnade oft noch Schlimmeres verhindert.
(Foto: Sadid Morshed @ pexels.com)
Jonathan
Jonathan hatte auf Sauls Führung gehofft. Als diese nicht eintraf, entschied er selbst. Dies nicht um Saul zu schaden, sondern um Schaden vom Volk abzuwenden. Es ging ihm nicht um Ruhm oder eine Beförderung. Er merkte, dass Gottes Zeit gekommen war und zu zögern hätte Schuld bedeutet.
Während also Saul ruhte, kletterte Jonathan mit Händen und Füßen, (also für den Moment unbewaffnet), dem Feind entgegen. Das war harte Arbeit. Aber er hatte durch ein Zeichen, Gottes Willen erfragt. Jonathan war innerlich vorbereitet. So konnte er ruhigen Gewissens Risiken eingehen.
Gott lenkte jetzt die Umstände für ihn. Jonathan surfte auf der Welle und kam so schnell voran, während Saul zu lange wartete, sodass er schließlich eine schlechte reiten musste, um überhaupt noch an Land zu kommen.
Sauls Nachfolger taten es ihm gleich, aber auch Jonathan hatte einen Nachfolger. Dieser wurde angespornt und Teil des Sieges. Jonathans Führungsstil produzierte keine Statisten wie Sauls, sondern Nachahmer, die hinter ihm her, eigene Glaubenserfolge erleben und dadurch wachsen konnten.
Falls Deine Gemeinde oder Dein christliches Unternehmen von Sauls geführt wird, frage Gott, ob Du trotzdem aktiv werden sollst. Prüfe Deine Motive! Wenn Du dann zu dem Schluss kommst, dass zu zögern Sünde wäre, dann lass Dich nicht aufhalten! Es wird solche geben, die Deine guten Absichten erkennen und Deinem Vorbild folgen werden. Saul war bestimmt nicht erfreut von Jonathans Eigeninitiative. Aber ihm war die Rettung des Volkes wichtiger als ein Beliebtheitspreis!
(Foto: Marco Verch @ CCnull.de)
ab|geben
Da sprach der Schwiegervater Moses zu ihm:
Die Sache ist nicht gut, die du tust; du wirst ganz erschlaffen, sowohl du als auch dieses Volk, das bei dir ist; denn die Sache ist zu schwer für dich, du kannst sie nicht allein ausrichten.
(2. Mose 18, 17ff. - CSV-Elberfelder)
Auf geistlicher Ebene kann man über den Rat Jethros an Mose unterschiedlicher Meinung sein. Gott konnte Mose die Kraft für eine "unmenschliche" Aufgabe geben, auch ohne menschliche, Logik und Methodik. Andererseits hilft uns Gott manchmal durch den Rat erfahrenerer Menschen. Dazu kam Jethro aus der Gemeinschaft mit Gott, was einen schlechten Rat zumindest unwahrscheinlicher machte (V.12).
Generell ist es auf jeden Fall ein guter Rat, zu prüfen, ob wir nicht etwas abgeben sollen. Das "ab" im Wort "abgeben" beschreibt, dass es dann nicht mehr zu uns und unserer Verantwortung gehört, so wie ein abgegangener Knopf am Hemd, nicht mehr Teil des Hemdes ist. Aber in "Abgeben" steckt auch das Wort geben. Jemand anderes bekommt etwas. Das kann sein Leben bereichern, ihn wachsen lassen und dem Abgeber Erleichterung bringen. Gutes Abgeben ist daher ein Geschenk für den Empfänger und schafft eine Verbindung zwischen Geber und Nehmer. Es ist daher beziehungsstärkend.
Insbesondere Pioniere müssen gutes Abgeben lernen. Am Anfang sind sie eine zentrale Person einer Gemeindegründung, eines Seelsorge- oder sozialen Werkes oder eines christlichen Unternehmens. Wenn das Werk dann wächst, droht eine Überforderung des Pioniers oder eine Vernachlässigung von Randpersonen. Manchen fällt es dann sehr schwer abzugeben. Entweder weil sie glauben, dass ihre Nachfolger nicht entsprechend qualifiziert sind und ihre Arbeit bedroht wird, oder weil sie etwas "an Glanz verlieren", weil andere in den Fokus rücken. Manche wollen auch die Entscheidungshoheit nicht teilen.
Die Folge ist oft, dass wenn so ein träger Abgeber krank wird oder stirbt, sein Werk in eine Schieflage gerät. Vor seinem Ableben wurden zudem die Personen vergrault, die mehr Verantwortung hätten übernehmen können, aber bewusst "klein" gehalten wurden. Man schätzt unter Gemeindegründern, dass man ab 60-70 Personen mindestens einen Hauptamtlichen braucht, um ausreichend Seelsorge betreiben zu können. Wenn das nicht möglich ist, wird es noch wichtiger, die Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen.
Die großen Gottesmänner der Bibel zeichnen sich dadurch aus, dass sie abgeben konnten und Nachfolger anlernten. Mose hatte Josua, Elia hatte Elisa und Paulus Timotheus. Denke im Laufe der Woche darüber nach, welche Aufgaben Du abgeben könntest. Als Manager an Mitarbeiter, als Elternteil an die Kinder oder als Älterer in der Gemeinde an Jüngere.
(Foto: boom photography @ pexels.com)