Sozialismus vs. Kapitalismus

 oder: Wie Gott eines der größten Problem der VWL löste

Die 12. Runde beim Boxen

In einem Boxkampf stehen sich in der Regel zwei Kontrahenten für zwölf Runden gegenüber. Jede Runde dauert drei Minuten. Dazwischen gibt es Erholungsphasen. Eine Jury zählt die Schläge und vergibt Punkte. Der Boxer mit den meisten und besten Treffern gewinnt. Es gibt aber eine Ausnahme: Sollte es einem Boxer gelingen den Gegner K.O. zu schlagen, sodass dieser den Kampf nicht mehr fortführen kann, ist er der Sieger. Der Sieg ist dann unabhängig vom Punktestand.

Wenn also ein Boxer nach Punkten weit hinten liegt und es ihm dennoch in der letzten Runde gelingt den Gegner K.O. zu schlagen, spricht man von einem „Lucky Punch“. Mit diesem einen Schlag wendet er die scheinbar unvermeidliche Niederlage in einen Sieg.

Seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert und dem Fortschreiten des globalen Handels stellen sich Volkswirte (VWL-er) die Frage, welches Wirtschaftssystem ein Land zu wirtschaftlichem Wohlstand führt. Über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte standen sich dabei der Sozialismus und der Kapitalismus wie zwei Boxer gegenüber.

Diese „Schwergewichte“ „erlebten“ dabei ähnliches wie die Boxer. Mal sah ein System wie der sichere Punktsieger aus, doch nach einer Ringpause übernahm plötzlich das andere System die Dominanz. Mal schien ein System schon K.O. am Boden liegend und angezählt, da rappelte es sich wieder auf und schlug erneut zurück, auf den „Lucky Punch“ hoffend. Der Kampf schien unendlich zu sein und der Ausgang mit fortschreitender Dauer offener denn je.

Seit der Jahrtausendwende ist dieser Boxkampf scheinbar beendet. Mittlerweile haben sich in einigen Ländern Mischsysteme gebildet. Man versucht beide Systeme miteinander zu vereinen. Die Vorteile sollen genutzt und die Nachteile eliminiert werden. Der langfristige Erfolg solcher Systeme zeigt sich bisher jedoch nicht.
 
Doch erstaunlicherweise gibt es in den ältesten Teilen der Bibel, den 5 Büchern Mose ein geniales Konstrukt, welche das Beste aus beiden Systemen vereint. Jahrtausende bevor Wirtschaftsnobelpreise vergeben wurden, hat Gott aus konkurrierenden Systemen eine Einheit gemacht. Aus den Boxern ist ein Tanzpaar geworden, welches zusammenarbeitet und nicht mehr miteinander konkurriert. 

 

Sozialismus
Der Sozialismus, (in der Praxis meistens eng mit dem Kommunismus verbunden), ist ein Wirtschaftssystem, welches das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt. Das Kollektiv ist wichtiger als der Einzelne. Ähnlich wie bei einem Ameisenstaat, arbeiten alle zusammen. 

Dabei muss auch manchmal ein Einzelner geopfert werden, um das große Ganze zu erhalten. Alles gehört allen, es gibt fast keinen individuellen Besitz. Dabei gibt es staatliche Einrichtungen, die die Verteilung der Güter überwachen, sodass alle gleichviel bekommen. Diese Einrichtungen entscheiden auch zentral darüber, was von allen gerade am meisten benötigt und somit produziert wird.


Die Vorteile des Systems liegen darin, dass alle Schichten der Gesellschaft gleich wertvoll sind. Jeder ist ein Teil des Systems und somit gibt es im Idealzustand keine Arbeitslosigkeit oder Verarmung. Es wird für alle gesorgt und im Gegenzug bringt sich jeder ein. Es gibt kein Mehrklassensystem, sondern ein Industriearbeiter ist genau so wertvoll wie ein Professor.


Doch trotz dieser Vorteile ist der Sozialismus krachend gescheitert. Ganze Staatenverbunde wie die Sowjetunion inkl. der DDR sind durch sozialistische Ansätze zerbrochen. Zur Jahrtausendwende sah es so aus, als wäre der Kampf endgültig entschieden und der Sozialismus „auf die Bretter geschickt worden“. Nur noch unbedeutende Staaten wie Kuba hielten an dem System fest ohne dabei jedoch gut entwickelt zu sein. China und Russland blieben zwar offiziell sozialistisch, verwandelten ihre Volkswirtschaften jedoch in Mischsysteme.


Die Gründe für das Scheitern sind vielfältig und gut dokumentiert. Daher möchte ich hier vor allem die geistlichen Gründe hervorheben. Der Sozialismus ist darauf angewiesen, dass der Mensch im Grunde seiner Natur gut ist. Nur ein solcher Mensch ist in der Lage, das Kollektiv über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu stellen. Die Bibel sagt jedoch, dass der Mensch seit dem Sündenfall eine verderbte Natur hat. Diese Natur ist zutiefst egoistisch. Nur durch Erziehung oder durch den Ruhm einer guten Tat, entscheiden sich einzelne Menschen dazu, manchmal nobel zu handeln. Doch die Masse wird in einer Notlage, erstmal für sich entscheiden.

Die Menschen sind eben keine Ameisen. Während auf einer Ameisenstraße kein Stau entsteht, da jede Ameise wartet, wenn es dem Kollektiv dient, versuchen die Menschen meistens möglichst schnell an ihr Ziel zu kommen. Dies auch, wenn dadurch andere länger warten müssen. Dem Sozialismus fehlt also das richtige „Menschenmaterial“ für seine Anforderungen.


Doch es war nicht nur Egoismus, welcher den reinen Sozialismus scheitern ließ. Es fehlte auch an Motivation. Wenn in einer Arbeiterkolonne faule Arbeiter waren, so bekamen sie am Ende den gleichen Lohn wie die fleißigen Arbeiter. Es war für den Einzelnen nicht erstrebenswert besser zu sein als seine Genossen. Beide wurden gleich belohnt. Durch eine Beförderung gab es auch nicht wesentlich mehr Lohn, da alle Klassen gleich behandelt werden sollten.

Ohne Anreize, pendelte sich die Leistung im besten Fall beim Durchschnitt, im Schlechtesten beim schwächsten oder faulsten Glied der Kette ein. Durch diese Umstände verlor man den Kampf im internationalen Handel gegen die durch Geld- und Sachanreize viel effizienter produzierenden Volkswirtschaften.


Der dritte Grund war die zentrale Planwirtschaft. Da für alle der gleiche Lebensstandard gewährleistet werden sollte und das Individuum keine Verantwortung trug, wurde viel zentral geplant, beschafft und produziert. Doch dadurch ergaben sich in der Regel auch durchschnittliche Produktqualitäten. Auch konnte oft nicht individuellen Bedürfnissen wie einem unterschiedlichen Klima, unterschiedlichen Bedürfnisse von Stadt- und Landbevölkerung, unterschiedlichen Größen etc. Rechnung getragen werden.

Dadurch waren die zentralen Produkte oft ein Kompromiss. Doch damit waren sie an keiner Stelle optimal. Extrem gedacht, machte man einen Einheitspullover für alle. Doch damit fror man im Norden immer noch und im Süden schwitzte man darin. Diese fehlende Spezialisierung durch faule Kompromisse, sorgte bei der Mehrheit für Unzufriedenheit.


Mit der Zeit haben die sozialistischen Länder diese Schwachstellen bemerkt und versucht auszugleichen. Statt durch Lohnanreize wie im Kapitalismus hat man dann für fleißige Arbeiter Orden, Urlaubsreisen und andere Annehmlichkeiten erfunden, um die Effizienz zu steigern. Letztlich jedoch nicht mit genügend Erfolg.


Dazu kam Heuchelei in den Eliten. Die Qualitätsprodukte in den kapitalistischen Ländern führten zu Begehrlichkeiten. Nach außen stellte man die Kapitalisten als Klassenfeinde da, heimlich besorgte man sich aber durch Verwandte oder bei Auslandsreisen, was das Herz sich wünschte. Von der Heuchelei war es dann ein kleiner Schritt bis zur Korruption. Mit den im Land seltenen Auslandsgütern, konnte man sehr gute Geschäfte machen und sich Schweigen erkaufen.


Je mehr dieses ausuferte und das Wissen darum in die Bevölkerung durchsickerte, desto mehr sank die ohnehin schon niedrige Arbeitsmoral. Diese explosive Mischung führte zu Revolutionen gepaart mit Staatsinsolvenzen und brachte dem Sozialismus den scheinbar endgültigen K.O.

Der sündige Mensch hatte sich als zu schlecht erwiesen, ein ethisch anspruchsvolles System wie den Sozialismus zu leben. Eine schöne Theorie erwies sich in der Praxis als untauglich und verheerend für die meisten sozialistischen Länder. Der Kommunismus, der den Sozialismus in der Regel noch mit Atheismus „garnierte“, beschleunigte den Untergang zusätzlich.

 

Kapitalismus
Nach Punkten liegt der Kapitalismus nach dem Zusammenbruch vieler sozialistischer Staaten in dem „Boxkampf“ klar vorn. Zeitweise sah es sogar nach einem K.O. – Sieg aus. Doch in gewisser Weise erlebt der Sozialismus „einen zweiten Frühling“.


Da der Kapitalismus den meisten in Deutschland bekannt sein dürfte, beschreibe ich seine Vor- und Nachteile nur in Kürze. Der Kapitalismus sieht den Menschen als Individuum. Der Sozialismus dachte, dass die Priorisierung des Kollektivs dazu führen würde, dass es am Ende auch jedem Einzelnen gut ginge. Der Kapitalismus „denkt“ umgekehrt. Wenn jeder verantwortlich für sein Glück ist, dann wird das am Ende auch zu einer glücklichen Gesellschaft führen.

Die Verantwortung für Planung, Produktion und Konsum liegt dezentral. Der Staat soll nur da eingreifen, wo gleichberechtigte Interessen kollidieren oder wo man sich durch kriminelle Handlungen einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Ansonsten lässt der Kapitalismus dem Einzelnen viel Freiheit. Dem von Natur sündigem Menschen kommt dieses System entgegen. Freiheit und Eigenverantwortung ermöglichen es, sich selbst zu verwirklichen. Durch den im Kapitalismus angehäuften Wohlstand fällt es dann dem Egoisten leichter, etwas von seinem Reichtum abzugeben.


Eigenverantwortung ist dabei aber nicht nur negativ zu sehen, sondern auch ein biblischer Wert. Eine klare Verantwortlichkeit führt dazu, dass man Fehler schneller erkennen und beheben kann, aber auch zu einer hohen Motivation der Besitzenden. Alles, was man in seinem Verantwortungsbereich investiert, bringt einem auch selbst den entsprechenden Nutzen und „verpufft“ nicht in der großen Masse der Staatswirtschaft.

Daneben schöpft der Kapitalismus die kreativen Möglichkeiten des Menschen viel besser aus. Die Unterschiedlichkeit der Individuen spiegelt sich in genau zugeschnittenen Produkten nieder. Dadurch ist die Zufriedenheit der Konsumenten höher als bei den vielen „Einheitsbrei“-Produkten im Sozialismus.

Der Kapitalismus sieht die Menschen nicht als Ameisenstaat, sondern eher als Löwenrudel. Es gibt klare Hierarchien und Aufgaben. Man kann einzeln jagen oder wenn es sich lohnt auch gemeinsam. Am Ende frisst aber jeder für sich.


Ein großer Nachteil des Kapitalismus liegt darin, dass es in einem wettbewerbsorientierten System unvermeidbar auch Verlierer geben muss. Schwächere werden schnell ausgenutzt und fühlen sich als Versager. Je mehr sich ihre Niederlagen häufen und je länger sie andauern, desto abgehängter werden diese Verlierer. Im Gegensatz zum Sozialismus gibt es keine Job- oder Versorgungsgarantien.

Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass durch die private Weitergabe von Vermögen nach dem Tod, die Chancengleichheit nicht mehr gegeben ist. Eine neue Generation startet daher nie an der gleichen Stelle, sondern manche haben durch das Vermögen der Eltern einen großen Wettbewerbsvorteil. Nur besonders cleveren oder brutalen Wettkämpfern gelingt es, diesen Vorsprung aufzuholen.

Ein dritter bedeutender Nachteil (es gibt noch etliche weitere) liegt darin, dass durch den Fokus auf das Individuum, nicht das sinnvollste produziert wird, sondern dass was den eigenen Vorteil im Wettkampf verbessert. Anstatt Produkte herzustellen, welche über Jahrzehnte halten, produziert man z. T. Billigware, weil diese mehr Gewinnmarge verspricht. Dies führt zu einer unnötig starken Ausbeutung von begrenzten Ressourcen und verursacht Berge von Müll, deren Entsorgung oft problematisch ist.


Von der Zeit des zweiten Weltkriegs an, galt der Kapitalismus bis in die 90er als der Sieger des Systemkampfes. Die Vorteile schienen die Nachteile zu überwiegen. Vor allem aber im direkten Vergleich mit dem Sozialismus, hat sich der Kapitalismus als deutlich besser für den Wohlstand und die politische Stabilität erwiesen. Nach Punkten führt der Kapitalismus noch deutlich.


Aber in den letzten Jahren, scheint er nachzulassen. Die Märkte sind gesättigt und die Menschen merken, dass der stärker gewordene Druck des Wettbewerbssystems mit den einhergehenden, gesundheitlichen Schäden, das mit dem Konsum verbundene Glücksversprechen nicht mehr aufwiegt. Dazu kommt, dass die Ressourcen teilweise so stark ausgebeutet wurden, dass ganze Märkte zusammenbrachen, z. B. durch Überfischung. Die jüngeren Generationen legen mehr Wert auf nicht-materielle Werte, wie eine gute Work-Life-Balance und sind eher bereit, nachhaltige Produkte zu konsumieren, auch wenn diese teurer sind.

Gleichzeitig hat die Individualisierung mehr Vereinsamung produziert. Dies führt dazu, dass sozialistische Parteien in manchen Ländern wieder mehr Wähler finden. Durch die demographische Entwicklung sind zudem Generationenkonflikte entbrannt. Dies rückt die Frage, nach sozialer Verantwortung und der Steuerung des Kollektivs wieder mehr in den Vordergrund. Es scheint so, als wollte der Sozialismus sich noch nicht ganz geschlagen geben oder sogar zu einem Comeback kommen. 

 

Mischsysteme: Soziale Marktwirtschaft – Kapitalistischer Sozialismus
Natürlich haben die politischen Entscheidungsträger und Volkswirte über die Jahrzehnte die Vor- und Nachteile der beiden Systeme erkannt, analysiert und versucht Mischsysteme zu etablieren. Diese sollen die Vorteile des Kapitalismus nutzen und seine Nachteile abschwächen. Bei sozialistischen Systemen verfährt man äquivalent.


In Deutschland hat man eine soziale Marktwirtschaft etabliert. Durch Sozialleistungen sollen die Verlierer des Wettbewerbs unterstützt und durch Schulungen wieder wettbewerbsfähig gemacht werden. Kinder und Alte wurden durch Versicherungssysteme versorgt. Dieses Konstrukt hat erstaunlich gut funktioniert, sodass Deutschland für viele auf der Welt Traumland war und teilweise heute noch ist.

Das Problem ist jedoch, dass soziale Marktwirtschaften mit freien Marktwirtschaften konkurrieren müssen. Diese verzichten weitestgehend auf die soziale Unterstützung von Schwächeren. Daher können die Sieger günstiger produzieren. Durch die Globalisierung und den internationalen Handel ist dieser Effekt noch verstärkt worden. Früher konkurrierte man eher mit seinen Nachbarländern, heute mit der ganzen Welt.


Eine soziale Marktwirtschaft kann daher nur bestehen, wenn sie effizienter ist als eine freie Marktwirtschaft. Dazu bedarf es aber kreativer, intelligenter Menschen, welche so gute Ideen haben, dass man die Preisnachteile gegenüber total kapitalistischen, vielleicht sogar zusätzlich noch diktatorischen Systemen auffangen kann. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, so gute Produkte zu produzieren, dass eine Nachahmung schwer möglich ist oder durch Patente verhindert wird.


Es ist erstaunlich, wie lange Deutschland das tatsächlich umsetzen konnte. Trotz mehr Sozialleistungen und teilweise dreifach längerer Urlaubszeit ggü. anderen Ländern, machte man sich einen Namen als „Exportweltmeister“. Die Produkte „Made in Germany“ waren so gefragt, dass man genug verkaufen konnte, um den Wettbewerbsvorteil auszugleichen und die sozialen Systeme mit ausreichend Kapital zu versorgen.


Doch wie bei vielen menschlichen Erfolgsstorys, macht der Erfolg bequem und blind. Um kreative, intelligente und belastbare Menschen zu formen, braucht man eine gute Bildung, stabile Familienverhältnisse und eine Gesellschaft in der Fleiß einen hohen Wert hat. (All das hat eine christliche Erziehung lange hervorgebracht.)
Dazu eine gute Infrastruktur, um die Ideen auch umsetzen zu können.


Doch in der PISA-Studie ist Deutschland mittlerweile weit von der Spitze entfernt. Gesunde, stabile Familien sind selten und Fleiß wird oft nicht mehr als eine besonders erstrebenswerte Tugend angesehen. Selbst wenn gute Ideen entstehen, ist die Infrastruktur oft zu marode oder die Bürokratie zu groß, um diese umzusetzen. Daher werden die Ideen dann oft im Ausland in Produkte umgesetzt und der Gewinn dort eingestrichen, einschließlich der Steuern.

Die soziale Marktwirtschaft lässt sich so nicht mehr finanzieren. Jüngere, kreativere und fleißigere Volkswirtschaften sind an Deutschland vorbeigezogen. Das Mischsystem scheint zu scheitern und die Gesellschaft zu spalten. Das in weiten Teilen atheistische oder nur noch formchristliche Deutschland geht auf schwierige Zeiten zu und selbst bei einer sofortigen Umkehr, würde man die Effekte erst in den nächsten Generationen sehen.


Die sozialistischen Volkswirtschaften haben ebenfalls Mischsysteme etabliert, zumindest die erfolgreichen. Das prägnanteste Beispiel dafür ist China. Während man auf der einen Seite die sozialistischen Strukturen (vor allem ggü. der Öffentlichkeit) beibehalten hat und viele Vorgänge weiter zentral durch einen großen Staatsapparat lenkt, hat man andererseits das lange abgeschottete Land den Kapitalisten und ihren Produkten geöffnet. Auch gibt es mittlerweile kapitalistische Märkte und eigenen Besitz in manchen Branchen Chinas, (allerdings weiter unter starker staatlicher Kontrolle).

Nachdem man geschickt die Methoden der Kapitalisten kopiert und auf chinesische Verhältnisse angepasst hat, tritt man im Ausland mittlerweile als Großinvestor auf und beteiligt sich an oder führt sogar Unternehmen in kapitalistischen Ländern. Da das Kollektiv jedoch weiter in der Propaganda betont wird und es Milliarden von Einwohnern gibt, spielt der Einzelne trotz der Systemöffnung noch eine untergeordnete Rolle. In einer Diktatur wie China sind soziale Systeme ohnehin nicht von großer Bedeutung, es sei denn der Druck der Gesellschaft ist so hoch, dass die Macht der Elite gefährdet wird. Dann macht man gewisse Zugeständnisse.


Diese Mischung aus intelligenter Strategie, wirtschaftlicher Pragmatik und sozialer Kälte hat China extrem preisgünstig gemacht. Dazu sind die Märkte in China noch nicht so gesättigt wie im Westen, da der Status als Entwicklungsland noch nicht lange her ist. Als Ergebnis ist China auf dem Weg zur mächtigsten Nation der Welt zu werden. Derzeit kann nur noch die USA dagegen halten, da man aufgrund der Flugzeugträger noch militärisch überlegen ist.

Doch wenn keine außergewöhnlichen Entwicklungen passieren, wird China in absehbarer Zeit die Nr. 1 unter den Weltmächten sein. Doch im Gegensatz zum deutschen Mischsystem, basiert das chinesische auf Unterdrückung. Es macht daher nur eine kleine Elite glücklich. Viele andere halten still, weil ihr materieller Wohlstand derzeit wächst. Eine Vielzahl an Menschen, wird jedoch unterdrückt, gefangen genommen oder sogar hingerichtet. Das chinesische Mischsystem ist daher auch keine echte Erfolgsgeschichte. Im Gegenteil: Während es wirtschaftlich die Vorteile von Sozialismus und Kapitalismus vereint, summieren sich auf menschlicher Seite die Nachteile.


Somit ist es bisher keinem Land gelungen ein Wirtschaftssystem zu etablieren, welches langfristig glücklich macht. Der Kapitalismus kommt der menschlichen Natur am nächsten, weshalb er den Sozialismus lange Zeit ausgestochen hat. Aber die Grenzen des Systems zeigen sich in den letzten Jahren deutlich. Die daraus folgenden Mischsysteme stehen wirtschaftlich oder menschlich vor großen Problemen.

 

Gottes System
Interessanterweise hat Gott in der Bibel ein System in Israel eingeführt, welches beide Systeme verband. Das Grundsystem war kapitalistisch. Als Israel das Land erobert hatte, wurde den 12-Stämmen (und innerhalb der Stämme jeder Familie) ein Erbteil in Israel zugewiesen. Die Erbteile waren so eingeteilt, dass alle gut davon hätten leben können, wenn Israel Gott gehorcht hätte. Doch leider sind sie schnell zum Götzendienst übergegangen und durch Gerichte von Gott wie Hungersnöte, Seuchen oder Unterdrückung durch Feinde, wurde das Land verwüstet.


Wir gehen aber jetzt vom Idealfall aus und schauen uns an, wie Israel hätte leben können, wenn es Gott gehorcht hätte:

Das kapitalistische Grundsystem gab jedem die Chance auf einen ausreichenden Lebensunterhalt. Es lag nun in der Verantwortung des Einzelnen, dieses Erbteil zu erobern und zu bewirtschaften. Damit war ein Anreiz gegeben fleißig zu sein. Man erntete in jeder Hinsicht das, was man säte. Gleichzeitig war es sinnvoll nachhaltig zu wirtschaften, da das Erbteil in der Familie weitergegeben wurde. Wer sein Land für kurzfristige Gewinne verdarb, der hinterließ seinen Kindern einen schlechten Start. 

Daneben hatte Gott geboten, das Land im 7. Jahr (Sabbatjahr) nicht zu bewirtschaften. Die Ernte des sechsten Jahres hätte die Bedürfnisse des siebten Jahres gedeckt. Es gab also auch schon ein göttliches Gebot zum Schutz von Überbewirtschaftung. Ähnliche Gesetze für die Menschen und Tiere sorgten für ausreichende Ruhezeiten, sodass ein schädlicher „Turbo-Kapitalismus“ nicht so schnell aufkommen konnte.


Es gab auch schon die soziale Komponente in dieser Marktwirtschaft. Gott hatte Gesetze erlassen, um verarmten Personen zu helfen. Wenn alle Israeliten gehorcht hätten, hätte es gar keine Armen gegeben, da Gott den entsprechenden Segen durch das richtige Maß an Regen verheißen hatte.

Aber selbst wenn Einzelne aufgrund von Sünde oder Gottes Regierungswegen verarmten, hatte Gott durch diese sozialen Gesetze vorgesorgt. Nur eine Abkehr von Gott durch einen Großteil des Volkes, konnte dieses System gefährden, für Einzelfälle war vorgesorgt.

Es gab z.B. das soziale Gebot in 3. Mo 19,9f. (CSV-Elberfelder): „Und wenn ihr die Ernte eures Landes erntet, so sollst du den Rand deines Feldes nicht vollständig abernten und sollst keine Nachlese deiner Ernte halten. Und in deinem Weinberg sollst du nicht nachlesen, und die abgefallenen Beeren deines Weinbergs sollst du nicht auflesen: Für den Armen und für den Fremden sollst du sie lassen. Ich bin der HERR, euer Gott.“ Gott hatte damit eine „Grundsicherung“ geschaffen, lange bevor man in Deutschland darüber nachdachte.

Während Deutschland erst um das Jahr 1880 durch Otto von Bismarck Sozialversicherungen einführte, hatte Gott bereits um ca. 1500 v. Chr. ein Versicherungssystem in Israel konzipiert. Wenn nämlich jmd. durch Verarmung gezwungen war ein Feld zu verkaufen, griff die „Sippenversicherung“. Und selbst wenn diese nicht ausreichte oder durch fehlende Brüder nicht möglich war, gab es noch zwei weitere Bausteine, damit man seinen Besitz nicht dauerhaft verlor.

„Sippenversicherung“ in Israel bei Feldverkauf durch Verarmung:

Ebene 1:
Der Bruder des Verarmten sollte das Feld zurückkaufen, sodass der Verarmte es geschenkt bekam oder es unkompliziert von seinem Bruder zurückerwerben konnte. Es blieb im Familienbesitz

Ebene 2:
Bei einem kurzfristigen finanziellen Engpass, konnte der Verarmte das Feld nach seiner finanziellen Erholung selbst zurückkaufen. Der Käufer durfte den Rückkauf nicht verweigern. Auch so blieb die gerechte Grundstruktur des Eigentums in Israel erhalten.

Ebene 3:
Sollten die Ebenen 1 und 2 versagen, gab es noch das Jubeljahr. Dieses Jubeljahr ist das „Herzstück“ des „Sozialismus“ in Gottes System und ein geniales Konstrukt, welches zwischen Kapitalismus und Sozialismus eine erstaunliche Balance herstellte.

 

Das Jubeljahr als Ausgleichsfaktor
Alle 50 Jahre gab es in Israel ein Jubeljahr. Bei der damaligen Lebenserwartung erlebte jeder Israelit durchschnittlich einmal in seinem Leben dieses spezielle Jahr. In diesem Jahr wurde der ursprüngliche Familienbesitz zurückgegeben. (Es gab nur wenige Ausnahmeregelungen z. B. für Stadthäuser). Im Grunde wurde jedoch alles, was wirtschaftlich von Bedeutung war wieder so aufgestellt, wie es zum Zeitpunkt der ersten, gerechten Landverteilung unter Josua war.

Da man von dieser Landfläche gut leben konnte, gab es die Chance aus finanziellen Abhängigkeiten freizukommen und aus Knechten und verarmten Israeliten wurden wieder freie Landbesitzer. (siehe zu Details: 3. Mose 25 (CSV-Elberfelder)). 

Dieses System löste die Probleme des Kapitalismus.

Durch Erbschaft und die damit verbundenen Wettbewerbsvorteile ggü. ärmeren Landsleuten, wächst im Kapitalismus in der Regel die Ungleichheit von Generation zu Generation weiter an. Dies wird durch Zins- und Zinseszinseffekte noch verstärkt. In Deutschland besitzen mittlerweile die reichsten 10% der Bevölkerung ca. 56% des Vermögens. Bei einer Kaffeerunde von zehn Leuten, würde also einer über die Hälfte des Kuchens bekommen und neun müssten sich die restlichen 44% teilen. Als Folge sinkt der Anreiz zu arbeiten, mit ähnlichen Folgen wie im Sozialismus.

Nicht die klügsten und kreativsten bekommen mehr den Lohn für ihre Arbeit, sondern wer die klügsten und kreativsten Eltern oder Großeltern hatte. Der durch mangelnden Anreiz unmotivierte Rest legt sich im schlimmsten Fall in die soziale „Hängematte“ oder brennt im Kampf mit den 90% um die zu kleinen Reste aus. 


In der Regel wird dieser Entwicklung gegengesteuert, indem z.B. das Kartellamt Monopole zerschlägt, Reiche mehr Steuern zahlen als Arme oder die 90% z.B. durch Zusammenschluss in Gewerkschaften mehr Macht erlangen als allein. Trotzdem ist es bisher keinem Staat gelungen, diese Entwicklung nachhaltig zu stoppen.


Doch das Jubeljahr machte es in Israel möglich. Wenn die Eltern Haus und Hof verzockt, zu Grunde gewirtschaftet oder durch Krankheit, Tod u.Ä. verloren hatten, gab es spätestens in der nächsten Generation einen Neuanfang. Auf diese Weise bestand für Arme nie ein Grund zur Resignation, sondern es gab immer Hoffnung für sich selbst oder zumindest die eigenen Kinder, wirtschaftlich zu gesunden.

Die Kinder der Reichen dagegen mussten einen Großteil ihres Besitzes abgeben und den Erfolg ihrer Eltern selbst bestätigen. Man musste leben, wie es Johann Wolfgang von Goethe schon sagte: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ Wer faul war, verlor schnell seinen geerbten Reichtum, gegenüber den neuen, motivierten Grundbesitzern, die Armut kannten und in der Regel diese Erfahrung nicht nochmal machen wollten. 


Dennoch war der Fleiß oder die Weisheit der Vorgeneration nicht umsonst. Denn Viehherden, Edelmetalle und andere Reichtümer blieben erhalten. Man konnte also seinen Kindern weiterhin mit Gottes Hilfe einen guten Start ermöglichen. Die Kluft zwischen arm und reich wurde aber begrenzt. Auch konnten sich die Reichen Ländereien im Ausland kaufen, die nicht unter das Jubeljahr fielen.

Hätten die Israeliten Gott gehorcht, dann wäre in diesem System keiner langfristig verarmt. Soziale Spannungen hätte es kaum gegeben und für die zeitweise Verarmten gab es im Gesetz genug soziale Gebote, sodass das Überleben gesichert gewesen wäre. Versklavung von Israeliten war ohnehin verboten. Das schlimmste „Schicksal“ wäre ein Leben als Knecht auf Lohnbasis bis zum Jubeljahr gewesen, wobei es auch hier schon vorherige Möglichkeiten zur Freilassung nach spätestens sieben Jahren gab.


(Zwischen den Jubeljahren wurden die Preise übrigens für betroffene Immobilien angepasst. Kaufte man ein Feld ein Jahr vor dem Jubeljahr kostete es entsprechend sehr wenig, waren es noch 49 Jahre, dann bezahlte man viel, da man das Feld noch 49 Ernten bewirtschaften konnte, ehe es man zurückgeben musste.)

 

Das Jubeljahr in der Geschichte Israels:
Die menschliche Intelligenz hat noch kein Wirtschaftssystem hervorgebracht, dass Sozialismus und Kapitalismus so harmonisiert, dass langfristig keine Probleme entstehen. Gott hat jedoch ein System geschaffen, dass für jede(!) Generation genug Anreiz bot, mit Fleiß, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität zu wirtschaften. Gleichzeitig enthielt es genug soziale Komponenten, um auch für den Nächsten zu sorgen, der in Armut gerutscht war.

Durch Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort hätte Israel mit diesem Sytem glücklich leben können. Leider gibt es keine Hinweise, ob und wie lange Israel dieses System gelebt hat. Die Indizien deuten darauf hin, dass es nie der Fall war. Das System hätte nur dann funktioniert, wenn Israel das ganze Land erobert und behalten hätte und durch Gehorsam keine Missernten entstanden wären. Doch der Stamm Dan hat sein Erbteil nie wirklich besessen (Ri 18,1ff - CSV-Elberfelder) und andere Stämme haben ihres nur teilweise erobert (Ri 1 – CSV-Elberfelder)

Denn schon kurz nach dem Tod Josuas und seiner Generation, die „das ganze Werk des Herrn kannten (Josua 24,31 - CSV-Elberfelder), beteten viele Israeliten Götzen an. Die Folge waren Landverluste, Hungersnöte und die Abkehr vom Gesetz mit seinen sozialen Geboten. Viele konnten oder wollten es sich daher vermutlich nicht leisten, Felder zurückzugeben. Es mag aber immer treue, vermögende Israeliten wie z.B. Boas gegeben haben, die sich an das Jubeljahr hielten.

Spätestens nach dem Niedergang des Zehn-Stämme-Reichs nach Salomo, war den geistlich gesinnten Israeliten klar, dass es keine Priorität mehr hatte, das Land zu besitzen, solange Israel nicht umgekehrt war. Elia betete aktiv für Hungersnot und Elisa verließ die Farmwirtschaft und sagte zu Gehasi: „Ist es Zeit, Silber zu nehmen und Kleider zu nehmen und Olivenbäume und Weinberge und Kleinvieh und Rinder und Knechte und Mägde?“ (2. Kön. 5,26 – CSV-Elberfelder).

Für die Christenheit hat dieses System ohnehin nie gegolten und wenn es der Fall gewesen wäre, dann wären wir lange am gleichen Punkt wie Elia und Elisa angelangt, ab dem die große Masse nicht mehr nach den Geboten Gottes lebt.

Das Jubeljahr im heutigen Israel:
Da die 10 Stämme bis zur Endzeit verschollen sind und Israel nur einen geringen Teil des verheißenen Landes besitzt, wird das Jubeljahr nicht praktiziert. Dennoch hat es sich in gewissen Teilen erhalten. Israel hat bis heute eine kapitalistische Grundordnung, aber auch Kibbuze (Gemeinschaften, die eher sozialistisch leben und das Eigentum miteinander teilen). Der Staat Russland war daher anfangs Pro-Israel, da die Führung glaubte, dort entstünde ein sozialistischer Staat wie der ihre.

Diese israelische Variante der Mischform ist einzigartig und funktioniert nur, da ein Teil von Gottesfurcht und dem damit verbundenen Idealismus gegenüber dem Land und auch dem Nächsten erhalten geblieben ist. Dazu führt die ebenso weltweit einzigartige Bedrohungslage des Klein-Staates Israel (ungefähr die Größe Hessens), durch mächtige Nachbarländer vermutlich dazu, dass der Einzelne schneller bereit ist, das Gemeinwohl zu stärken, und zwar auch dann, wenn eigene Nachteile damit verbunden sind. Die existenzielle Angst ist hier vielleicht manchmal sogar eine stärkere Triebfeder als der Gehorsam ggü. Gottes Geboten.

 

Das Jubeljahr in der Zukunft
Im 1000-jährigen Reich des Messias ist kein Jubeljahr mehr nötig. Das Land wird auch ganz anders verteilt sein als zurzeit Josuas oder Salomos. Dazu werden offene Sünder, z.B. Ausbeuter, direkt bestraft und die Gerechten werden so lange leben, dass es keinen Sinn machen würde, die Felder in der nächsten Generation neu zu verteilen. Die Erde wird trotz der immensen Lebenserwartung die riesige Bevölkerung ernähren und so fruchtbar sein, dass Verteilungskämpfe in Israel und anderswo unnötig sein werden. Dazu ist die Masse des Volkes dann gläubig und hat ein neues Herz und einen neuen Geist und wird nicht mehr nach falscher Macht und fremden Eigentum streben, sondern die Gemeinschaft mit Gott im vorgesehen Erbteil genießen.

Es scheint fast so als hätte Gott das Gesetz des Jubeljahrs umsonst erlassen: Im alten Israel wurde es nicht oder nur sehr kurz praktiziert, im Gegenwärtigen ist es nicht umsetzbar und im Zukünftigen wird es nicht mehr nötig sein. Aber zum einen hat es eine geistliche Bedeutung und erinnert daran, dass Israel, welches Jahrtausende zum Knecht der Nationen und des Gesetzes wurde endlich frei sein wird. Es wird verstehen, dass es durch Gnade gerettet wurde und nicht durch eigene Werke. Der Messias, der sich auch Israel auf Golgatha erkauft hat, wird ihm dann seinen Besitz geben und das Volk, welches heute noch manche Fehler und Sünden hat, wird dann seiner Verantwortung gerecht werden und mit ihm gerecht über die Erde herrschen.

Zum anderen zeigt Gott dadurch seine Genialität und nicht zuletzt sein Wesen, welches auch im wirtschaftlichen Zusammenleben Heiligkeit und Liebe harmonisch miteinander vereint. Auch in diesem Bereich sind sich Güte und Wahrheit begegnet, und haben sich Gerechtigkeit und Frieden geküsst. (Vgl. Ps. 85,11 – CSV-Elberfelder)