Inflation

Inflation ist ein Begriff der verstärkt in den Fokus der Medien gerückt ist. Ich möchte hier kurz erklären, was Inflation ist und wie Gott ein geniales System in Israel eingeführt hat, welches Inflation verhindert.
 Die meisten verstehen unter Inflation eine allgemeine Preissteigerung. Da ich das System im alten Israel nicht nur für Volkswirte erklären möchte, bleibe ich bei diesem Begriff.
 Wie entsteht Preissteigerung? Die Hauptursachen sind eine Erhöhung der Geldmenge oder eine Verknappung von Gütern.
 
 Das Dorf in Papua-Neuguinea im Glück
Stellen wir uns ein 10-Familien-Dorf (z.B. in Papua-Neuguinea) vor, welches so weit abgelegen ist, dass es Tage dauert, bis man Güter hingebracht hat. Als Folge stellt das Dorf alles zum Leben Nötige selbst her. Jetzt fliegt ein Hubschrauber über dieses Dorf und verliert umgerechnet 1.000.000 EUR. Jede Familie hat plötzlich 100.000 EUR mehr. Die Geldmenge wurde erhöht. Die Preise steigen schlagartig an, da jeder bereit ist, für die Güter die er unbedingt will, mehr Geld zu bezahlen. Es herrscht Inflation. Wenn das Geld gerecht verteilt würde, würde das allein kein Problem sein. Was aber, wenn nur einer in dem Dorf die 1.000.000 EUR gefunden hätte? Er könnte nun immer dann alles kaufen, wenn er es bräuchte und andere ausstechen. Seine Macht wäre gestiegen. Die Inflation wäre problematisch.

Das Dorf in Papua-Neuguinea im Pech
Jetzt stellen wir uns dasselbe Dorf nochmal vor. Der Hubschrauber verliert diesmal kein Geld, sondern ein explosives Gemisch. Die Explosion findet bei dem Dorfbewohner statt, der Hühner züchtet. Von 100 Hühnern sind nur noch zehn übrig. Hühner und Eier werden somit knapp. Wer jetzt ein Huhn oder ein Ei kaufen will, muss viel mehr vor der Explosion bezahlen, denn der Bauer hat nur noch wenig zum Verkaufen und braucht somit einen hohen Gewinn pro Huhn. Alle anderen wollen die wenigen Hühner unbedingt haben. Die Geldmenge ist die Gleiche, aber die Preise steigen trotzdem, da ein Gut knapp geworden ist. Dieses Phänomen erleben wir im Moment besonders bei seltenen Erden.

Zurück in Deutschland
Im Kapitalismus können Regierungen Geld drucken, um die Geldmenge zu erhöhen. Dies ist aber problematisch, da man nur die Geldmenge erhöht, aber an den Waren eigentlich nichts verändert, wie im ersten Szenario des Dorfes. Daher versucht man in der Regel die vorhandene Geldmenge zu steuern. Dies gelingt über den Leitzins der Hauptnotenbanken, dem sich alle anderen anpassen.
Wenn die Wirtschaft nicht in Schwung kommt, verringert man die Zinsen, welche vereinfacht der Preis von Geld sind. Bei niedrigen Zinsen wird mehr erspartes Geld von den Banken geholt oder günstige Kredite aufgenommen. In der Folge wird mehr investiert, mehr gekauft und mehr gehandelt. Die Wirtschaft wächst. Die Preise steigen zwar, dies wird aber durch die erzielten Gewinne und höheren Löhne kompensiert.

Sollten die Preise jedoch zu stark steigen, erhöht die führende Notenbank (z.B. die EZB) die Zinsen wieder. Das Geld wird wieder mehr gespart, Kredite für neuen Konsum oder Maschinen etc. werden teurer, die Wirtschaft wird vor einer "Überhitzung" geschützt. Die Preise fallen, da den Menschen weniger Geld für die gleiche Anzahl an Gütern gegenübersteht.
Das hier beschriebene System ist natürlich vereinfacht dargestellt und hat viele Tücken.

Die Tücken des Systems
Wenn z. B. die Bevölkerung eines Landes mehr Geld zur Verfügung hat, aber die Unternehmen stellen nur Produkte her, die keiner gebrauchen kann, dann wird die Wirtschaft trotzdem leer ausgehen und die Bevölkerung gibt das Geld im Ausland aus.

Umgekehrt werden die Preise nicht stark sinken, wenn ein Produkt so dringend gebraucht wird, dass die Käufer bereit sind dafür zu bezahlen, auch wenn es wirtschaftlicher wäre, sein Geld auf die Bank zu bringen. Dies war z.B. bei den Masken in der Corona-Krise der Fall. Wenn Menschen glauben, dass ihre Gesundheit gefährdet ist, dann sind sie bereit hohe Preise zu zahlen, auch wenn der Preis eigentlich dem Wert des Produktes (im Beispiel ein "Stofffetzen") nicht entspricht. Wir bleiben aber im Folgenden beim Normalfall.

Ein Einschub: Das Gleichnis von den Pfunden
In Lukas 19 haben wir es mit einer gesunden Wirtschaft zu tun. Der Herr sagt zu dem bösen Knecht:  

"Und warum hast du mein Geld nicht auf eine Bank gegeben, und bei meinem Kommen hätte ich es mit Zinsen eingefordert?" (Lk 19,24 - CSV-Elberfelder)
Der unternehmerische Handel war also lohnenswerter, als sein Geld nur auf die Bank zu bringen. Gleichzeitig waren die Zinsen, aber auch nicht zu niedrig, sodass sich auch sparen noch gelohnt hätte. Oberflächlich betrachtet, hat der böse Knecht seinen Herrn ja nicht allzu sehr geschadet. Er gibt das Pfund zurück. Es gibt, wenn man es absolut betrachtet, keinen Verlust.

Bei genauerem Hinsehen stimmt dies aber nicht. Wir stellen uns kurz vor, der Nachbarhof hätte die gleichen drei Knechte gehabt, aber der letzte Knecht hätte das Geld auf die Bank gebracht. Auf dem nächsten Rindermarkt könnte der Nachbar jetzt den Herrn im Gleichnis überbieten, da er neben den 10 und 5 Pfunden auch noch die Zinserträge auf den Verhandlungstisch legen könnte. Der böse Knecht hat seinen Herrn also relativ gesehen ärmer gemacht. Daher gilt im Kapitalismus: Stillstand ist Rückschritt, da andere die Zeit nutzen werden.

Zinsen = Fluch und Segen
Das Gleichnis hat primär eine geistliche Aussage. Generell geht es im neuen Testament ja i. W. um geistliche Segnungen. Im Alten Testament war dies anders. Dort waren neben geistlichen Segnungen auch irdische verheißen. Hätte Israel Gott gehorcht, dann wären sie in ihrem Land glücklich geworden. Dies auch dank eines genialen Wirtschaftssystems.
Zinsen führen nämlich in gewisser Weise immer zur Inflation. Daher ist bisher noch jedes Währungssystem an seine Grenzen gekommen und zeitweise oder ganz zusammengebrochen. Auch hierzu ein einfaches Beispiel:
 
 Die israelischen Nachbarn
In Israel wohnen zwei Kleinbauern nebeneinander. Beide haben zwei Bullen und eine Herde mit Kühen. Durch eine Krankheit sterben beide Bullen von Nachbar A. Seine Herde steht vor dem Aus. Er geht nun zu Nachbar B und bittet ihn darum, ihm einen seiner Bullen auszuleihen, bis seine Kühe einen „Ersatzbullen“ gezeugt haben. Da Nachbar B noch einen weiteren Bullen hat, hilft er in der Not und verleiht seinen zweiten Bullen für zwei Jahre an Nachbar B. Nachbar A züchtet sich einen neuen Bullen und bringt seinem Helfer seinen Bullen zurück. Beide sind glücklich.

Die moabitischen Nachbarn
Einige Kilometer weiter östlich leben zwei moabitische Nachbarn. Nachbar A erleidet das gleiche Unglück und geht nun zu Nachbar B, um einen Bullen zu leihen. Nachbar B ist freundlich und will helfen, sieht allerdings auch das Risiko. Wenn nun der Tod des Nachbar-Bullens durch schlechte Hygiene verursacht worden ist oder durch Ansteckung bei Wildtieren in der Nähe, dann würde er seinen Bullen vielleicht nie wiedersehen. Er möchte aber kein Unmensch sein, daher macht er einen Kompromiss. Er verleiht er den Bullen, fordert aber eine Risikoprämie von 200 EUR. Nachbar A findet das fair und akzeptiert die Zinsen. Er schuldet nun seinem Nachbarn einen Bullen und 200 EUR.

Im Gegensatz zu dem Abkommen der israelischen Nachbarn, führt das Leihgeschäft der Moabiter zu Inflation. Wir nehmen mal an, dass ein Bulle auf dem Markt in Israel und Moab vor den Leihgeschäften 3.000 EUR gekostet hätte. Was passiert nun, wenn der Nachbar A sich entschließt mit der Viehzucht aufzuhören und auf Landwirtschaft zu setzen.

In Israel würde er seine Herde verkaufen und auch den Bullen für 3.000 EUR. Am Ende der zwei Jahre könnte er seinem Schuldner „Nachbar B“ 3.000 EUR geben und der würde sich auf dem Markt einen entsprechenden Bullen kaufen. Der Preis wäre immer noch 3.000 EUR.

In Moab jedoch müsste Nachbar A den Bullen für mindestens 3.200 EUR verkaufen, da er ja auch die Zinsen von 200 EUR tilgen muss. D.h. durch die Zinsen ist der Bulle im Preis gestiegen, obwohl er ggü. dem israelischen Bullen keine bessere Qualität hat. Der innere Werte des Bullen ist immer noch 3.000 EUR. In Moab entsteht durch das Geschäft Inflation, in Israel nicht.

Dies ist einer der Gründe, warum Volkswirtschaften wachsen müssen. Selbst Stillstand reich nicht aus, da durch Zins- und Zinseszinseffekte, mehr erwirtschaftet werden muss, um den gleichen Wohlstand zu erhalten.

Doch ohne Zinsen würde niemand etwas verleihen. Ein zinsloses System funktioniert nur, wenn man den anderen kennt und vertraut oder aus einem Ideal heraus handelt. (Dies taten die Israeliten, da sie das Gesetz (z.B. 5. Mose 30,20- CSV-Elberfelder) befolgten, nachdem es verboten war Zinsen von anderen Israeliten zu nehmen.) Aber eine Bank, welche nicht jeden Kunden prüfen kann, verleiht nur, wenn sie ihr Risiko durch Zinsen einpreisen kann.

 

Was wäre passiert, wenn Israel Gott gehorcht, hätte:

1.)    Gott hatte Segen u.a. Fruchtbarkeit für Gehorsam versprochen. Das heißt, dass die Ware der Israeliten besser oder zumindest genau so gut gewesen wäre, wie die der Nachbarvölker. Auch die nötige Menge wäre vorhanden gewesen.

2.)    Während in den Nachbarvölkern die Preise durch Zinsen gestiegen wären, wären die in Israel konstant geblieben. In der Folge wären Käufer besonders gern nach Israel gegangen, um Waren zu kaufen. Die günstigen und guten Waren, hätten zu Wohlstand geführt. (Es lässt vermuten, dass der unbeschreibliche Reichtum Salomos auch auf die fehlende Zinsinflation zurückzuführen war.)



 

3.)    Es hätte aber auch ein Problem gegeben. Durch den Wohlstand wäre sehr viel Geld nach Israel geflossen. Diese Geldmenge hätte die Binnennachfrage angekurbelt und auf diese Weise auf Dauer auch zu Inflation geführt, da die Waren immer knapper geworden wären. Ohne Zinsen hätten die Könige aber kein Steuerungsinstrument der Geldmenge gehabt. Daher sagt Gott in 5. Mose 30,21- CSV-Elberfelder: „Dem Ausländer magst du Zins auferlegen, aber deinem Bruder sollst du keinen Zins auferlegen; damit der HERR, dein Gott, dich segne in allem Erwerb deiner Hand in dem Land, wohin du kommst, um es in Besitz zu nehmen.“ 
 Dieser Vers macht klar, dass im Gleichnis von den Pfunden, der Herr den bösen Knecht nicht auffordert das Gesetz zu brechen. Die Banken durften Zinsen erwirtschaften, aber nicht von Israeliten. Durch diese Zinsen konnte es sich lohnen zu sparen und sein Geld nicht komplett auszugeben. Dadurch konnte einer zu hohen Nachfrage entgegengesteuert und eine „Überhitzung“ der Wirtschaft vermieden werden.

4.)    Durch die gegenüber den Nachbarländern stabilere Währung, wären die jüdische Währung auch zur Leitwährung der Region aufgestiegen, was sehr viele Vorteile mit sich gebracht hätte. (Dies kann man am Dollar beobachten.) Details dazu würden das Zinsthema hier aber überfrachten. 

 

Fazit:
Durch Gehorsam hätte Gott sein Volk mit guter Ware und Überschuss gesegnet. Durch den Zinsvorteil gegenüber den Nachbarländern wäre Israel bei gleicher Ware durch den niedrigeren Preis im Vorteil gewesen. Dank der Zinsen ggü. Ausländern wäre die Währung trotzdem stabil geblieben. Eine solche Situation hätte unweigerlich zu mehr Wohlstand und Macht in Israel geführt, während die Nachbarländer sehr stark von der Währung und Wirtschafskraft Israels abhängig gewesen wären. Israel hätte seine Nachbarn dominiert und gleichzeitig für Stabilität und Wohlstand in der Region gesorgt.
 
Doch leider hat Israel diesen Segen nur sehr kurze Zeit in seiner Geschichte genossen. Im 1000-jährigen Reich wird vielleicht manches davon noch sichtbar werden, aber das ist Spekulation, da dort die unmittelbar sichtbare und eingreifende Autorität Gottes alles lenkt. Diese Autorität macht Hilfsmittel wie Wirtschaftssysteme eher unwichtig. Es zeigt aber, wie genial Gott auch in Wirtschaftsfragen alles für sein Volk zum Guten lenken wollte, lange bevor es aus der Wüste ins Land kam und Handel mit Nachbarvölkern trieb.